Im täglichen Gebrauch finden sich häufig Formulierungen wie „Im Dialog mit…“ oder „Dialog und…“. Dabei wird in der Regel davon ausgegangen, dass es sich um einen Austausch, ein gutes Gespräch handelt. Doch was macht ein „gutes“ Gespräch aus?

„Dialogos“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „das Fließen von sinnvollen Worten“. Daraus wird erkennbar, dass sich hinter dem „Dialog“ weit mehr verbirgt, als ein verbaler Austausch.

Der Dialog als Kommunikationsform hat eine sehr lange Geschichte; schon in indianischen Kulturen bildeten die kreisförmigen Sitzformen eine wichtige Basis für die Entwicklung der Gemeinschaften.

Durch den Einsatz eines Redesymboles wurden sowohl das „sich Mitteilen“ als auch das „Zuhören“ erleichtert und die sich daraus ergebende Verlangsamung und die Stille bildeten wesentliche Elemente des Dialogs.

Durch die immer schnell lebigere Zeit trat diese Form des Dialogs immer mehr in den Hintergrund und wurde durch andere Kommunikationsformen, die progressiver, effektiver und methodischer erschienen, ersetzt.

Das Interesse am „traditionellen“ Dialog wurde erst im vergangenen Jahrhundert durch die Philosophen Martin Buber und David Bohm wieder geweckt.

Martin Buber hat die oberflächlichen Unterhaltungen Ver-gegnungen genannt und sie den Be-gegnungen eines echten Dialogs gegenübergestellt. In diesem echten Dialog machen Menschen sich frei vom Scheinen wollen und treten in Beziehung.

David Bohm unterscheidet zwischen Gesprächen und Dialogen. Im Gespräch wird seiner Meinung nach abgespeichertes Wissen abgerufen, und bereits Gedachtes ausgetauscht. Wir kennen das aus vielen Diskussionen.

Im Dialog ist es anders. Wir erkennen Bewertungen, Annahmen und Glaubenssätze, die das eigene Denken und Handeln bestimmen und interessieren uns wirklich für die Beweggründe derjenigen, die anderer Meinung sind. Dabei geht es nicht nur um die rationale Ebene, sondern auch die Emotionen, Wünsche, Absichten und Ängste. Es ist ein Prozess, durch den neues Denken entstehen kann. 

Der Dialog steht für Offenheit, Unvoreingenommenheit, Neugier und Kreativität. All das bringt jede/r von uns bereits bei der Geburt mit auf die Welt. Der Dialog verlangt uns wohlmöglich dennoch Veränderung ab, da es für uns ungewohnt ist, abzuwarten statt zu agieren und zuzuhören ohne bereits Bescheid zu wissen. 

Dafür braucht es einen gemeinsam geschaffenen sicheren Raum, einen Vertrauensraum, in dem es möglich ist, dass sich eigene Annahmen und fremde Sichtweisen begegnen, um gemeinsam erforscht zu werden. Die ursprüngliche kreisförmige Sitzordnung und der Einsatz eines Redesymboles tragen dazu bei. 

So entsteht ein Feld von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung, in dem Vertrauen und Verantwortung wachsen können und Platz für alle Wahrheiten geschaffen wird. Daraus entwickelt sich eine dialogische Haltung. Die dialogische Haltung im Alltag zu praktizieren bedeutet, Lernfähigkeit im Bemühen um dialogische Kompetenzen in der Kommunikation zu beweisen, die eigenen Wünsche, Visionen und Hoffnungen immer wieder neu anzuschauen, nicht in alten Mustern zu verharren – sondern Veränderung und Transformation zu ermöglichen.

Menschen, die sich auf dieses Verständnis von Dialog und seine Praxis einlassen, spüren bald, dass in ihnen weit mehr steckt, als sie sich gewöhnlich zutrauen.

Der Dialog ist eine andere Art der Gesprächsführung, die auf Gleichwürdigkeit, Respekt und Einbindung aller Beteiligten basiert. Dialogische Kommunikation hat ein enorm großes Veränderungspotential und kann damit einen wesentlichen Beitrag zur individuellen und gesellschaftlichen Entwicklung leisten.

„Der Dialog ist eine Chance, Neues zu entdecken, keine Garantie, Altes zu bewahren.“

Zitat: David Bohm